Rezensionen

Hier finden Sie Rezensionen von Dr. Lisa Tomaschek-Habrina zu den Behandlungsthemen des Instituts salvia.

Depression

 

Eva-Lotta Brakemeier / Angela Buchholz
Die Mauer überwinden
Wege aus der chronischen Depression
Basel: Beltz 2013

 

An wen richtet sich das Buch: Menschen mit leichten, schweren und chronischen Depressionen; Angehörige und PsychotherapeutInnen, die die CBASP Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy kennenlernen wollen.

Fallbeispiele skizzieren den praktischen Alltag, Arbeitsblätter zum Download unterstützen Betroffene wie Profis sich über Symptome der Depression ein Bild zu machen, wie weit oder weniger weit fortgeschritten eine Situation ist. In persönlichen Lebenslinien wird man sich der Lebensereignisse und Häufigkeit von depressiven Stimmungen gewahr und kann sie besser einordnen. Der Therapeut erhält wichtige diagnostische Hinweise.

Dieses Buch verdiente ein anderes Größenformat, da es manchmal schwer leserlich erscheint.


 

Josef Giger-Bütler
„Wir schaffen es“
Leben mit dem depressiven Menschen
Weinheim/Basel: Beltz 2014

 

Trotz ihrer hohen Prävalenz, 6 bis 10% der österreichischen Bevölkerung (Statistik Austria, 2014), ist das chronische Krankheitsbild der Depression in Österreich im Vergleich zu anderen Leiden noch immer sehr stigmatisiert ist. Die Angehörigen von depressiven Menschen stehen meist alleine vor den schweren Aufgaben mit der Erkrankung ihres Partners umzugehen, und ihren Alltag mit seinen vielfältigen Aufgaben und Anforderungen zu bewältigen.

Aufgrund seiner langjährigen psychotherapeutischen Erfahrung gelingt es Herrn Giger-Bütler auf einfühlsame Weise zu zeigen, wie die Angehörigen die Depression ihrer Partner erleben, wie sie besser mit sich und damit umgehen können. Herrn Giger-Bütlers Zugang zeichnet vor allem aus, dass er die Wichtigkeit der Selbstfürsorge der Partner hervorhebt, und dass es okay und sogar unverzichtbar ist mit sich selbst gut umzugehen sowie für sich zu sorgen.

Dieses Buch von Herrn Giger-Bütler ist ein Lebensratgeber beziehungsweise Selbsthilfebuch für Angehörige und vor allem für Partner, dass durchaus eine gute Stütze im Umgang mit einem depressiven Angehörigen bieten und mehr Verständnis für ihn schaffen kann.“ 


 

Josef Giger-Bütler
Depression ist keine Krankheit
Neue Wege, sich selbst zu befreien
Weinheim/Basel: Beltz 2012

 

Herr Giger-Bütler hat ein sehr aufschlussreiches Buch für Laien als auch Experten geschrieben, das Mut macht und die Depression aus einem neuen vor allem psychotherapeutischen Blickwinkel betrachtet. Mit einer Mischung aus Zuversicht und Verständnis schafft er es die Leser in das schwere und in unserer Kultur sehr stigmatisierte Thema einzuführen.

Das Buch vertritt eher einen populärwissenschaftlichen Standpunkt, der sich wenig am momentanen wissenschaftlichen Forschungsstand zum Thema Depression orientiert. Stattdessen konzipiert Herr Giger-Bütler ein eigenes Phasenmodell der Depression aus seiner eigenen therapeutischen Erfahrung. Eine biologische oder medizinische Perspektive wird dabei völlig vernachlässigt.

Das Buch von Giger-Bütler kann Betroffenen einerseits Hoffnung auf Besserung geben, allerdings sie auch sehr unter Druck setzen, da ihnen suggeriert wird, dass sie sich selbst mit Hilfe eines Therapeuten heilen können. Herr Giger-Bütler verzichtet weitgehend auf Fachsprache, was das Buch für Laien sehr gut lesbar macht und Ängste nimmt.


 

Richard C. Harrington
Kognitive Verhaltenstherapie bei depressiven Kindern und Jugendlichen
Göttingen: Hogrefe 2013

 

Depressive Störungen gehören zu den Leiden, die auch bei Kindern und Jugendlichen zugenommen haben. Das vorliegende Manual, das erstmals 2001 veröffentlicht wurde, beschreibt ein standardisiertes verhaltenstherapeutisch orientiertes Behandlungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit einer depressiven Störung.

Das Manual gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil wird übersichtlich und knapp formuliert das grundlegende therapeutische Vorgehen bei Depressionen bei Kindern und Jugendlichen skizziert. Im zweiten Teil des Manuals werden die einzelnen therapeutischen Bausteine für den Alltag praxisorientiert dargestellt. Arbeitsblätter sind auf einer CD-ROM zur Verfügung gestellt.

Das Manual bietet für ExpertInnen Impulse für die eigene praktische Anwendung und gibt doch eine brauchbare Struktur, die adaptierbar für individuelle Bedürfnisse ist.


 

Marianne Leuzinger-Bohleber / Ulrich Bahrke / Alexa Negele (Hrsg.)
Chronische Depression
Verstehen – Behandeln – Erforschen
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013

 

Nach Schätzungen der WHO leiden mehr als 300 Millionen Menschen an Depressionen. Depressive PatientInnen haben eine starke Tendenz zur Wiedererkrankung. So hat die Depression nicht nur einen individuell, sondern auch einen gesellschaftlich und volkswirtschaftlich hochbedeutsamen Charakter.

In diesem Buch werden neben psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Krankenbehandlungen auch übergreifende klinische Konzepte und Hintergründe zum Verständnis der Depression sowie der empirische Forschungsstand zur chronischen Depression anhand verschiedener internationaler Studien dargestellt, die bei der Tagung Chronische Depression im Oktober 2011 in Frankfurt zur Diskussion gestellt wurden. Diese Studien werden im Teil III einander gegenübergestellt.

In Teil I werden zunächst psychotherapeutische Behandlungskonzepte, v.a. psychoanalytisch und verhaltenstherapeutisch orientierte Ansätze erläutert.

Im Teil II erfahren wir v.a. Praxisbeispiele mit Falldarstellungen im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich. Entstehungspfade in die Depression sind hier ebenso Thema wie der Zusammenhang von Trauma und Depression. V.a. bei der chronischen Depression ist die Erklärung zur Entstehung noch lückenhaft, jedoch scheint eine multifaktorielle Sichtweise, welche genetische, neurobiologische, psychische und soziale Faktoren berücksichtigt, noch am ehesten Antworten liefern zu können. Martin Hautzinger liefert hier, wie ich meine eine für die Praxis brauchbare Erklärungsheuristik.

Insgesamt ein Buch für Fachleute, die den neuesten Forschungsstand unter die Lupe nehmen wollen, für Betroffene zuviel Fachvokabular.


 

Ralf F. Tauber/ Carola Nisch
Depressive Störungen erfolgreich behandeln
Praxishandbuch zur kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen
Stuttgart: Klett Cotta 2011

 

Tauber beschreibt aus seiner langjährig klinischen Erfahrung therapeutische Vorgehensweisen und Fallstricke. Von der Diagnostik, den Testverfahren zu den Symptomen, Verläufen von Depressionen, bis hin zu hilfreichen Erklärungsmodellen.

Das Kapitel Suizidalität bei KlientInnen beschreibt sehr eindrücklich die praktischen Vorgehensweisen der Einschätzung, der Abklärung im therapeutischen Gespräch sowie Beispiele für Antisuizidverträge. Erwähnenswert v.a. auch der Anhang 4: Liste angenehmer Tätigkeiten. Hier listet Tauber 200 Dinge auf, die KlientInnen entsprechend skalieren können. Ein gute Möglichkeiten KlientInnen wieder an Dinge zu erinnern, die sie zur Zeit nicht zugänglich haben.

Tauber schafft es für erfahrene Praktiker wie Beginners einen umfangreichen Einblick in die Arbeit mit depressiven KlientInnen zu geben.


 

Marion Rößler
Ich kann nicht mehr... Jetzt ändere ich was!
Das Praxisbuch aus der Depression
Bühl: MatrixErlebnis Verlag 2010

 

Ein Buch einer ehemalig Betroffenen für Betroffene als praktischer Leitfaden auch für Angehörige geeignet.

Menschen, die an einer Depression leiden, wissen oftmals nicht wohin, welche ersten Schritte sie tun können. In einfachen Worten beschreibt Rößler die Symptome wie Depression, Trauma, Trauer, macht Unterschiede klar, gibt wertvolle Hinweise zu Krisentelefonen und anderen Kontaktadressen, beschreibt die unterschiedlichen Professionen – das Who ist Who im Psychobereicht, arbeitet Phänomene wie Co-Abhängigkeit heraus und gibt einen Leitfaden, wann es angesagt ist amubulante oder stationäre Betreuung in Anspruch zu nehmen. Betroffene können aufgrund der Einfachheit des Buches, sicherlich wertvolle Hinweise erhalten, wie sie im individuellen Fall vorgehen könnten.


 

Marion Rößler
Ich kann nicht mehr... Stell dich nicht so an!
Jeder kann sich aus der Depression befreien und glücklich leben
Bühl: MatrixErlebnis Verlag 2010

 

Ein Buch einer ehemalig Betroffenen für Betroffene als praktischer Leitfaden auch für Angehörige geeignet.

Rößler berichtet über ihre Tiefpunkte im Leben, vertane Ausbildungschancen, gescheiterte Beziehungen, über erste depressive Phasen, über einen schweren Autounfall bis hin zu einer Heirat aus Liebe. Kurz danach begannen die ersten Panikattacken und Ängste und depressiven Phasen und ein langer Leidensweg. Menschen, die an einer Depression leiden, wissen oftmals nicht wohin, welche ersten Schritte sie tun können. In einfachen Worten beschreibt Rößler ihren Weg, der ja – lange und beschwerlich war, aber schlußendlich zur Überwindung der Schwermut führte. Einzeltherapie, Gruppentherapie, ambulante und stationäre Betreuung, eindrucksvoll beschreibt Rößler wie sie dies erlebt hatte. Wertvolle Hinweise für Betroffene.

Angst

Bohleber, Werner / Anzieu-Premmereur, Christine
Angst
Neubetrachtungen eines psychoanalytischen Konzepts
Klett-Cotta: Stuttgart 2015

 

Angst ist einer der zentralen Begriffe der psychoanalytischen Theorie und auch eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Freud bezeichnete sie als das Grundphänomen und Hauptproblem der Neurose. Allerdings verfügt die Psychoanalyse über keine einheitliche Theorie der Angst. Das Heft von Werner und Anzieu-Premmereur eröffnet ein Panorama über neuere psychoanalytische Konzeptionen der Angst und untersucht das Phänomen in Klinik, Kunst und Kultur.

In Freuds Angsttheorie avancierte die Verdrängung zum zentralen Aspekt wie in der Fallgeschichte des „kleinen Hans“. Ein ungelöstes Problem in Freuds Angsttheorie ist wie Erklärungen der Angst als quantitativ-energetische Konzepte und die Angst als psychische Affektrepräsentanz zusammengehören. Freud hat das Energie-Abfuhr Modell und das Signal-Modell nebeneinander stehen lassen. Das Sonderheft von Werner und Anzieu-Premmereur wirft einen aktuellen Blick auf das Phänomen Angst aus psychoanalytischer Perspektive.


 

Egon Fabian (Hrsg.)
Psychotherapie der Angst
Verstehen – Behandeln – Erforschen
Gießen: Psychosozial-Verlag 2013

 

Das Buch stellt neun Beiträge der analytischen Theorie und Therapie der Angst dar. Die meisten Beiträge basieren auf Vorträge einer Vortragsreihe im Lehr- und Forschungsinstitut der Dt. Akademie für Psychoanalyse DAP, die 2009 in München gehalten wurden.

Angst als Verlassenheit in den frühen Lebenserfahrungen der KlientInnen bildet den Leitgedanken des Buches. Angst als destruktiver Charakter oder Motor des Lebens als bedeutender Faktor in zwischenmenschlichen Kontakten. Vom gruppendynamischen Aspekt der Angst, hin zu Angst und Aggression, Angst bei dissozialen Persönlichkeitsstörungen bis hin zu analytischen Gruppenpsychotherapie mit Kindern und Jugendlichen spannt sich der Bogen.


 

Christa Diegelmann, Margarete Isermann
Kraft in der Krise
Ressourcen gegen die Angst
Stuttgart: Klett Cotta 2012, 2. Auflage

 

Konflikte, Krisen und traumatische Situationen sind Erfahrungen, die wir alle im Laufe unseres Lebens machen. Jede überwundene Krise, lässt uns reifen und wachsen. Meist lösen solche Krisen aber auch unüberwindbare Ängste aus. Angst blockiert neurobiologisch jedoch wichtige Bereiche in unserem Gehirn.

Dieses Buch erhebt den Anspruch gezielte Stärkung der eigenen Kompetenzen und Ressourcen zu forcieren, damit man dem Gefühl des ohnmächtigen Ausgeliefertseins entkommen kann. Dazu werden unterschiedliche Kraftquellen vorgestellt, um so die psychische Widerstandskraft zu stärken. Versteht man Angst als eine Verbündetet, dann wird sie zum Helfer, der uns Hinweise gibt, was wir brauchen oder vermissen.

Das TRUST-Konzept und das Krisen ABC zieht sich als roter Faden durch das Buch. Viele einfache Übungen ermöglichen es dem Leser, der Leserin individuell auszuprobieren, und wieder ins Handeln zu kommen.

Trauma

 

Reinert Hanswille, Annette Kissenbeck
Systemische Traumatherapie
Konzepte und Methoden für die Praxis
Heidelberg: Carl Auer 2014, 3. Auflage



Hanswille und Kissenbeck geben hier eine ganz hervorragende Zusammenschau von Traumatherapiekonzepten. Trauma ist auch eine Störung der Systeme, die nur durch Heilung und Integration auf der miteinander gekoppelten intra- und interpersonellen Systemebene gelöst werden kann. Nicht das Ereignis selbst macht etwas zum nachhaltigen schlimmen Trauma, sondern die Art, wie es verarbeitet wird, und auf welche Beziehungsnetzwerke sich die Betroffenen nach dem Trauma stützen können. Hierin liegen die Chancen einer erfolgreichen Therapie – die Autoren heben diese Ressourcenorientierung immer wieder hervor. Ebenso gelingt es ihnen ein komplexes Thema umfassend zu bearbeiten, und dennoch differenziert und klar systemische Grundlagen der Traumatherapie zu beschreiben.

Für alle Traumatherapeuten eine gute Zusammenschau von Konzepten und brauchbare Anregung für den Praxiseinsatz. 


 

Alexander Korittko, Karl Heinz Pleyer 
Traumatischer Stress in der Familie
Systemtherapeutische Lösungswege
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2016, 5. Auflage


Korittko beschreibt im ersten Teil des Buches, wie gut sich Traumatherapie und systemische Therapie miteinander verbinden lassen und wie notwendig diese Verbindung ist für den, der die traumatisierten Menschen und seine Angehörigen angemessen unterstützen will.

Dabei vermittelt er wichtige systemische Einstellungen, Haltungen und Methoden und stellt eine Fülle von Anregungen und Konzepten aus seinem über Jahrzehnte angehäuften Erfahrungsschatz zur Verfügung. Pleyer erweitert die Perspektive im zweiten Teil des Buches, indem der den Blick auch auf die Eltern der Kinder lenkt und sich mit Traumata beschäftigt, die durch Lebenskrisen wie Paarkonflikte, Trennungen etc. und die Entwicklung co-traumatischer Beziehungsmuster hervorgerufen wurden.

Er beschreibt die parentale Hilflosigkeit, liefert Erklärungsmodelle für elterliches Versagen und Konzepte für die Stärkung parentaler Kompetenz als zentrales Therapieziel, die für TherapeutInnen in der täglichen Arbeit lesens- und bedenkenswert sind. 


 

Pia Andreatta
Ohne Absicht schuldig
Psychische und soziale Folgen nicht intendierter Verletzung oder Tötung anderer.
Gießen: Psychosozial Verlag 2015


Der Fokus dieses Buches liegt auf eine spezifische Verknüpfung von Trauma und Schuld aus der Sicht des Verursachers des Todes, sowie dem lang- wie kurzfristigen Erleben der traumatischen Schuld. Trauma, Schuld und Verantwortung werden als Schlüsselkonzepte vorgestellt und eine Traumadynamik skizziert, sowie psychosoziale Interventionen in der Krisenintervention und Akutbetreuung vorgestellt.


 

Fooken Insa,  Heuft Gereon
Das späte Echo von Kriegskindheiten
Die Folgen des Zweiten Weltkriegs in Lebensverläufen und Zeitgeschichte
Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2015



Wie hat sich der zweite Weltkrieg auf die Lebensverläufe und psychische Entwicklung seiner Zeitzeugen und deren Nachkommen ausgewirkt? Die Herausgeber Insa Fooken und Gereon Heuft gehen dieser Fragen auf psychologisch-wissenschaftlichen Niveau nach, und beziehen vor allem wissenschaftliche Studien in ihrer Arbeit ein.

Besonders einschneidend empfinden viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen den Verlust des Vaters durch den Krieg oder die Scham aufgrund der Nazi-Vergangenheit. Eindrücklich wird auch in dem Buch beschrieben, welche Familiendynamiken sich durch die deutsche Geschichte ergeben und wie sich die Traumata des zweiten Weltkriegs auf das Leben der nachfolgenden Generationen auswirken. Wenig überraschend ist auch, dass sich die deutschen Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Selbstbeherrschung negativ auf die Aufarbeitung dieser Konflikte auswirken und sich häufig später als schlecht verheilte Wunde in den Familien präsentiert.

Das Buch kann mehr Verständnis zwischen den Generationen schaffen und heutige Heilberufen dabei helfen, ihre Klientinnen und Klienten besser zu verstehen.


 

Jochen Peichl
Die inneren Trauma-Landschaften
Borderline, Ego State, Täter-Introjekte
Stuttgart: Schattauer 2013, 2. Auflage

 

Trauma spielt in der Psychotherapie eine zentrale Rolle. Dieses Buch zeichnet unterschiedliche Zugänge und Behandlungsmethoden. Forschungsergebnisse und konkrete therapeutische Anwendung befruchten sich gegenseitig. Watkins Ego-State- Therapie mit dem Teile-Modell der Persönlichkeit- wird viel Raum eingeräumt.

Peichl gelingt es eine Fülle an fundierter Information und ein kritisches Abwägen der einzelnen Therapiezugänge für Experten die mit traumatisierten Menschen arbeiten aufzubereiten. Ein praxisorientiertes Werk für ProfessionistInnen. Empfehlenswert. 


 

Luise Reddemann
Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie. PITT- Das Manual
Ein resilienzorientierter Ansatz in der Psychotraumatologie
Stuttgart: Klett-Cotta 2014, 8. Aufl.

 

PITT ist ein integrativer undogmatischer Ansatz für PsychotherapeutInnen in der Traumatherapie mit einer konkreten Ressourcen- und Resilienzorientierung. Als Ärztin und Psychotherapeutin hat Luise Reddemann langjährige Erfahrung im Gebiet der Psychotraumatologie und stellt diese hier mit beeindruckenden Fallbeispielen zur Verfügung.

Was ist Heilung in der Traumatherapie? – Heilung mit Narben.

Reddemann beschreibt den Beginn der Behandlung, die Stabilisierungs-, die Traumakonfrontations- und Integrationsphase, sowie die Selbstfürsorge für TherapeutInnen und PITT in der Behandlung spezifischer Probleme wie bei dissoziativen oder suizidalen KlientInnen, Paaren, SuchtpatientInnen, Opfern von Folter und Gewalt und beleutchtet ebenso genderspezifische Gesichtspunkte.


 

Jochen Peichl
Innere Kinder, Täter, Helfer & Co
Ego State-Therapie des traumatisierten Selbst
Stuttgart: Klett-Cotta 2014, 5. Aufl.

 

Das Selbst von früh und komplex traumatisierte Menschen zerfällt – bewusst oder unbewusst – in die unterschiedlichsten Teilpersönlichkeiten. Täterintrojekte stehen neben dem verletzten kleinen Kind, Helferpersönlichkeiten koexistieren mit Opferanteilen. Peichl zeigt die Arbeit mit diesen Persönlichkeitsanteilen mit der Ego-State-Therapie nach Helen und John Watkins.

Dieses Buch entstand im Erfahrungsfeld klinischer Arbeit v.a. mit KlientInnen mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung. Die reichhaltige Erfahrung Peichls lässt uns Einblick geben in die tägliche Arbeit mit Traumatisierten und nimmt uns mit auf eine Reise hin zur Stabilisierung.


 

Laurence Heller / Aline LaPierre
Entwicklungstrauma heilen
Alte Überlebensstrategien lösen
Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken
München: Kösel 2013

 

Das Konzept bezieht seine Grundlagen aus der dialektisch-behavioralen Therapie und ist stark ressourcenorientiert angelegt und wurde erweitert um Imaginations-, Entspannungsübungen und Elemente der Euthymen Therapie (Genusstherapie).

Das Handbuch vermittelt Stabilisierungstechniken und gibt Anregungen zur Krisenbewältigung. Das Manual kann über den klinischen Kontext hinaus eingesetzt werden und bietet darüberhinaus einen Fundus an praktischen, schulenübergreifenden Hilfen.


 

Matthias Hirsch
Trauma
Gießen: Psychosozial Verlag 2011

 

Der Begriff Trauma ist eigentlich eine Kurzformel für ein sehr komplexes Prozessgeschehen. Ein überwältigendes Ereignis überrollt den psychischen Apparat und kann nicht adäquat integriert werden. Notmaßnahmen werden ergriffen: Dissoziation und Internalisierung der Gewalt. Dies hat weitreichende Symptome zur Folge, denen wir in der psychotherapeutischen Praxis alltäglich begegnen.

In dem kleinen kompakten Band unterscheidet Hirsch ebenso wie Kernberg zwischen chronisch familiären Traumata die zu Persönlichkeitsstörungen führen, und akuten, einmaligen Extremtraumatisierungen jeden Lebensalters, die eher zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen. Insofern hält er die gängigen propagierten Techniken der Traumatherapie eher für extrem traumatisierte Erwachsene geeignet, währen die Folgen langjähriger chronischer Beziehungstraumata eben im Prinzip nur durch eine langjährige Beziehungstherapie wirklich an den Wurzeln zu packen sind.

Hirsch spricht hier v.a. vom psychoanalytischen Traumakonzept, das er auf knappen 123 Seiten sehr verständlich und prägnant zeichnet.


 

Alexander Korittko/ Karl Heinz Pleyer
Traumatischer Stress in der Familie
Systemtherapeutische Lösungswege
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 2. Aufl.

 

Viele Jahre fanden Traumatherapie und systemische Therapie keine Berührungspunkte. Dennoch lassen sie sich in der Praxis mühelos zu einem integrierten Konzept einer traumaorientierten systemischen Therapie verbinden. Wie dies geht, zeigt dieses Buch.

Der professionellen Blicke durch die Traumabrille verdanken wir die Entdeckung leidvoller Eltern-Kind Interaktionen als Folgen transgenerationaler Traumatisierungen, co-traumatischer Prozesse und traumabedingter erstarrter familiärer Muster. Phänomene wie parentale Hilflosigkeit werden hier ebenso gut erläutert, wie die systemische Sicht auf die Sinnlosigkeit der Behandlung herausgetrennte traumatisierter Familienmitglieder und die damit einhergehenden Fragmentierung der Kostenträgersysteme.

Das Buch versucht einen Aufruf zur Aufhebung dissoziativer Fragementierungen: Traumata bergen das Potential einer infektiösen Fragmentierung in sich in den

  • neuronale Verarbeitungsprozesse des Gehirns 
  • emotionalen und kommunikativen Mustern bei Paaren und Familien 
  • Wahrnehmungen gesamtgesellschaftlicher Proezesse.

 

Klaus Ottomeyer
Die Behandlung der Opfer
Über unseren Umgang mit dem Trauma der Flüchtlinge und Verfolgten
Stuttgart: Klett-Cotta 2011

 

Klaus Ottomeyer zeigt wie er und sein Team bei Aspis mit Flüchtlingen und Verfolgten arbeitet. Die Fallgeschichten lassen uns Europäer immer wieder erschaudern, was nicht weit von unserem Zuhause geschieht.

Das Buch vermittelt sozialpsychologisches Wissen und Verstehen mit einem breiten psychoanalytischen Hintergrund. Ottomeyer zeigt, wie die Gesellschaft Opfer von Gewalt und Traumata behandelt aber auch wie nachträgliche schlechte Behandlung und Ignoranz eigentlich die schlimmste Traumatisierung darstellt, weil es einen Angriff auf die menschlische Würde darstellt.

Beeindruckend und ob der intensiven Fallgeschichten mit Pausen empfohlen zu lesen.


 

Günter H. Seidler / Harald J. Freyberger / Andreas Maercker (Hrsg.)
Handbuch der Psychotraumatologie
Stuttgart: Klett-Cotta 2011

 

Auf 767 Seiten wird sehr profund und weitblickend zum Thema Psychotraumatologie ein Bogen in 62 Kapiteln von der Definition, den Krankheitsbildern, Traumafolgen zu bestimmten Anlässen wie z.B. Unfälle, militärische Einsätze, sexueller Mißbrauch aber auch Risiken und Nebenwirkungen von Traumatherapie gespannt.

Weiters gibt uns dieses Handbuch Einblick in unterschiedlichste therapeutische Ansätze, von kognitiver Verhaltenstherapie, EMDR, bis zur Ego-State-Therapie und berichtet über psychopharmakologische Behandlung. Nebst psychoneuroendokrionologischen Befunden, neurobiologischen Theorien wird auch über geschlechtsspezifische Aspekte Posttraumatischer Belastungsstörungen berichtet.

Hier liegt ein absolutes Standardwerk vor für Praktiker, Wissenschaftler und Organisationen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten. Absolut lesenswert!

Borderline

 

Susanne Schoppmann / Matthias Herrmann / Christiane Tilly
Borderline begegnen
Miteinander umgehen lernen
Köln: Psychiatrie Verlag 2014

 

Ein Buch für Profis. Borderline bedeutet für Betroffene Stress rund um die Uhr. Aber auch für ihre Umwelt, Angehörige wie Helfer. Als Lösung rückt sehr häufig der Suizid auf das Tagesprogramm. Aus dem Nichts entstehen lebensbedrohliche Situationen. So wie die Betroffenen selbst jederzeit auf der Hut sein müssen, so müssen die Profis permanent gewappnet sein vor einer unerwarteten auftretenden Krise.

Dieses Buch zeigt Therapiemöglichkeiten auf und skizziert anhand des Eisbergmodells Entstehungsbedingungen und Auswirkungen des Störungsbildes. Bei jedem Kapitel kann sich der Leser Fragen stellen, welche beruflichen Erfahrungen er selbst mit Boderline PatientInnen hat. Nichtzuletzt beschreibt das Autorenteam auch Selbstfürsorgeübungen für Helfende. Leicht verständlich lesbar.


 

Ewald Rahn
Borderline
verstehen und bewältigen
Köln: Balance buch + medien 2013

 

Dieser Ratgeber wendet sich v.a. an Betroffene und Angehörige, die sich mit dieser sehr komplexen Krankheit auseinandersetzen wollen.

Rahn beschreibt einige Übungen und lässt Betroffene selbst berichten über ihre Erfahrungen. Er berichtet ebenso über Ergebnisse der Psychotherapie dieser Persönlichkeitsstörung, die mittlerweile sehr ermutigende sind, die Effekte als sehr groß einzustufen sind.


 

Ewald Rahn
Umgang mit Borderline Patienten
Köln: Psychiatrie Verlag 2010

 

Berufsanfänger haben oft Angst vor der Begegnung mit BoderlinepatientInnen. Sie gelten als schwierig und dennoch faszinierend. BLE zeigen schon sehr früh eine Auffälligkeit bei der emotionalen Regulation und im Bindungsverhalten, sowie häufiges selbstverletzendes Verhalten zur Spannungsregulation. Finden und Formulieren von Zielen ist nicht eine Voraussetzung für eine Therapie sondern bereits Bestandteil des therapeutischen Prozesses.

Rahn beschreibt seine langjährigen Erfahrung sehr eindrücklich in dem kleinen handlichen Büchlein der Serie Basiswissen des Psychiatrieverlags und skizziert respektvolle Behandlungsprinzipien.

Psychose

 

Thomas Bock
Umgang mit psychotischen Patienten
Köln: Psychiatrie Verlag 2013

 

Berufsanfänger haben oft Angst vor der Begegnung mit PsychosepatientInnen. Hier kommt es v.a. auf die innere Haltung des PsychotherapeutInnen an: zuhören, zutrauen und zumuten.

Keine Psychose gleicht einer anderen. Dennoch gibt es Auffälligkeiten, die sehr häufig auftreten. Diese beschreibt Bock aus seiner langjährigen Erfahrung sehr eindrücklich in dem kleinen handlichen Büchlein der Serie Basiswissen des Psychiatrieverlags und skizziert respektvolle, dialogische Behandlungsprinzipien.


 

Hartwig Hansen
Der Sinn meiner Psychose
Zwanzig Frauen und Männer berichten
Neumünster: Paranus 2013

 

In diesem beeindruckendem Band berichten 20 Frauen und Männer wie sie dem Sinn ihrer Psychose auf die Spur kamen.

Nach wie vor lautet die medizinische Lehrmeinung, dass Psychosen Krankheiten sind, die mit Medikamenten eingedämmt und beherrscht werden müssen, dass die Betroffenen einigermaßen damit leben können. Eine Heilung ist ausgesprochen unwahrscheinlich. KlientInnen berichten davon, dass sie sich in psychiatrischen Kliniken kaum aufgehoben und verstanden fühlen, eher im Gegenteil. Wenn sie andere Wege suchen bei PsychotherapeutInnen ihres Vertrauens oder bei anderen psychoseerfahrenen Menschen, berichten sie, dass sie dahintergekommen seien, warum gerade sie so etwas erlebt haben, welchen Sinn ihre Psychose für sie gemacht hat, worauf sie hinweist, was sie in Zukunft in ihrem Leben, im Umgang mit sich und anderen Menschen ändern sollten, um zufriedener zu werden. Und dennoch: nicht alle Menschen, die Psychose erlebt haben, endecken einen Sinn, da die Erfahrungen mitunter sehr bedrohlich waren.


 

Joachim Küchenhoff
Psychose
Gießen: Psychosozial Verlag 2012

 

Psychotische Störungen beunruhigen, sie verunsichern. Bislang ist das Rätsel der psychotischen Störungen von keiner Seite so gut aufgeklärt worden, dass sich zuverlässig wirksame Behandlungsformen daraus ableiten ließen. Das gilt für die neurobiologischen Ansätze ebenso wie für die sozialpsychiatrischen und psychodynamischen. Der Komplexität psychotischer Störungen angemessen ist einzig eine multiprofessionelle Therapie.

Psychotische Störungen sind Beziehungsstörungen. Sie sind nicht ausschließlich, aber zum Teil eben auch in traumatisierenden Beziehungen entstanden, sie manifestieren sich auf jeden Fall in der Beziehung zu anderen und wirken sich massiv auf Beziehungen aus.

Jedes Symptom ist jedoch auch Sprache und Ansprache. Die Aufgabe des Therapeuten ist, das nicht zur Sprache kommende zu benennen oder es auszudrücken zu versuchen. Wie das gelingen kann versucht Küchenhoff auf knappen 137 Seiten aufgrund von Theorien, den Bedingungen des psychotischen Erlebens und der psychotherapeutischen Arbeit mit psychotischen Patienten zu beschreiben. Ein gutes Grundlagenbuch. 

Kinder und Jugendliche

 

Wiltrud Brächter
Geschichten im Sand
Grundlagen und Praxis einer narrativen systemischen Spieltherapie
Heidelberg: Carl Auer 2016, 2. Auflage

Wiltrud Brächter stellt in diesem Buch ein Konzept narrativer systemischer Spieltherapie vor. Spieltherapie eröffnet Kindern die eigenen Geschichten zu präsentieren und im Dialog mit der Therapeutin zu entwickeln, sowie einen Zugang zu den inneren psychischen Repräsentationen der Erfahrungen des Kindes zu bekommen.

Brächter greift hier v.a. auf den narrativen Ansatz Michael Whites zurück und bringt eine Vielzahl persönlicher Beispiele aus der Praxis vom Sandspiel, über das Rollenspiel, der Handpuppen sowie kreativen Medien. Sie zeigt wie man die Optionen systemischer Therapie erweitern kann.

Ein tolles Buch für Praktiker, und die, die mit Kindern arbeiten wollen.


 

Ilka Lennertz
Trauma und Bindung bei Flüchtlingskindern
Erfahrungsverarbeitung bosnischer Flüchtlingskinder in Deutschland
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011

Im Mittelpunkt dieses Buches, stehen Kinder und Jugendliche, die in ihren ersten Lebensjahren von Bosnien nach Deutschland geflohen sind. Ihre Biographien sind geprägt durch dramatische Kriegserlebnisse, oft langen Trennungen oder dem Verlust des Vaters, als auch von der dauerhaften Belastung durch eine unsichere Aufenthaltssituation in Deutschland sowie Aufwachsen bei Eltern, häufig nur der Mutter oder Großeltern, die selbst traumatisiert sind.

Die in diesem Buch interviewten Kinder und Jugendlichen, befanden sich alle nicht in psychotherapeutischer Behandlung. Lennertz gibt in ihrer Dissertation einen Überblick über traumatheoretische Modelle und kommt zum Schluss dass die gesellschaftliche Ebene in fast allen Traumakonzepten zu kurz kommt. Gesellschaftliche Verleugnungsprozesse spielen im Umgang mit Traumatisierten eine besondere Bedeutung. Nirgendwo findet sich so eine dichte Abfolge von zunächst großzügiger Aufnahme und einer anschließend sehr restriktiven und auf Rückkehr abzielenden Politik.

Parallelen zum Hier und Jetzt sind unverkennbar. Erfahrungen mit Verfolgung, Krieg, Folger, ethnischen Säuberungen, Flucht und Exil prägen Gesellschaften über Generationen hinweg. Sie werden transgenerational weitergegeben, und die Art des Umgangs mit diesen Erlebnissen wird tradiert.


 

Andreas Krüger
Akute psychische Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen
Ein Manual zur ambulanten Versorgung
Stuttgart: Klett-Cotta 2008

Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen nach Extremstresserfahrungen braucht es eine zeitnahe Versorgung, ansonsten drohen die akuten Folgen des Stress sich quasi in das Gehirn einzubrennen.

Die bekannte Erfahrung von TherapeutInnen ist, dass die meisten jungen PatientInnen viel zu spät in die Praxis oder Ambulanz kommen. Der Schrecken ist nach akuten Extrembelastungen am nächsten Tag nicht vorbei. Eine veränderte Psychobiologie auf Gehirnebene sorgt im Extremfall für eine endlose traumatische Geschichte im Kopf.

Welche Netzwerke braucht eine effiziente psychische Notfallversorgung im Kinder- und Jugendbereich? Das Buch will helfen Professionisten zu ermutigen, sich dieser hochkomplexen Aufgabe zuzuwenden. 


 

Silke Heimes
Regenbogenbandwurmhüpfer
Kreatives Schreiben für Kinder- und Jugendliche
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2015

 

Kinder- und Jugendliche haben einen natürlichen Zugang zur Sprache und eine ausgeprägte Imaginationskraft. Deshalb haben sie auch keine Problem, sich vorzustellen, dass ein Sessel oder Tisch in eine heftige Diskussion verwickelt ist. Ihre Freude am Geschichtenerfinden und Schreiben lässt sich leicht und schnell anregen.

Dieses Buch richtet sich an alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und an Kinder und Jugendliche selbst. In zahlreichen Übungen im Einzel- wie im Gruppensetting darf der innere Reichtum angezapft und aufs Papier gebracht werden.


 

Matthias Franz, André Karger (Hrsg.)
Scheiden tut weh
Elterliche Trennung aus Sicht der Väter und Jungen
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013

 

Werden Elternbeziehungen hochkonfliktär getrennt, führt das in der Regel für alle Beteiligten fast immer zu leidvollen Belastungen. Besonders für Jungen ist die Trennung mit tief greifenden Verunsicherungen und Entwicklungsrisiken verbunden.

Nicht selten werden jedenfalls kindliche Belastungszeichen gerade von Jungen als s.g. Verhaltensstörungen dekontextualisiert und z.B. als ADHS medikalisiert oft ohne Berücksichtigung familiärer Hintergrundkonflikte. Das gruppenstatistische Risiko von Trennungskindern, körperlich oder seelisch zu erkranken oder verhaltensauffällig zu werden , ist in dieser Gruppe bis ins Erwachsenenalter erhöht.

Renommierte Wissenschaftler und Fachleute beleuchten das Thema in diesem Buch v.a. aus der Sicht der betroffenen Väter und Jungen.


 

Karl Heinz Brisch (Hrsg.)
Bindung und Migration
Stuttgart: Klett Cotta 2015

 

Menschen mit Migrationshintergrund haben ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeitserkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen, psychosomatische Leiden und andere psychischer Störungen. Durch das Migrationserleben wird häufig auch ihr Bindungssystem erschüttert. Das Bindungssystem ist ein primäres, genetisch veranlagtes motivationales System, das überlebenssichernde Funktion hat.

Das vorliegende Buch umfasst verschieden Beiträge aus den Bereichen Forschung, Klinik und Prävention, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema „Bindung und Migration“ beschäftigen. Erfahrungen aus dem klinischen Alltag werden ebenso geschildert, wie Antworten auf folgende Fragen geliefert: Welche Faktoren schützen, welche Rolle spielen neue wichtige Bindungspersonen, wie können neue Beziehungen aufgebaut werden? Was müssen aufnehmende Familien, Arbeitgeber oder Gesellschaften wissen, welche Therapieformen sind hilfreich?

Migration bedeutet die Verlegung des Wohnsitzes in ein anderes Land. Weltweit müssen wir aktuell mit ca. 220 Millionen Migranten rechnen. Der Prozess der Migration ist so alt wie die Menschheit selbst. Migrant ist auch nicht gleich Migrant, denn einige reisen in der 1. Klasse an, haben einen Casemanager, der ihnen bei der Integration hilft, andere reisen in einem Kühltransporter oder in einem überfüllten Boot.

Der Beitrag von Alaine Arnold beschreibt eindrückliche Beispiele und Schwierigkeiten von Kindern, die in jungen Jahren von ihren Eltern bei ihren Großeltern oder anderen Bezugspersonen im Herkunftsland zurückgelassen wurden, um in der Fremde Geld verdienen zu können für die Familie. Da zu den eigenen Eltern keine sondern häufig nur zu den Großeltern Bindung aufgebaut werden konnte, ist die Überforderung solcher Kinder, wenn sie Jahre später nachgeholt werden entsprechend groß, die Enttäuschung über die ablehnende Haltung der Kinder bei den leiblichen Eltern ebenso.

Gülay Teke beschreibt in ihrem Beitrag „Migrationssensibler Kinderschutz“ sehr nachvollziehbar die Wünsche mancher Fachkräfte über kulturelle Hintergrundsinformationen, die man wie eine Art Checkliste abarbeiten kann: Wie arbeitet man mit arabischen, türkischen, vietnamesischen Familien? Das Bedürfnis sei nachvollziehbar, Teke vertritt jedoch These, dass solcherlei Fakten, wenn es um den Schutz eines Kindes geht, kein Gewicht haben. Die andere Frage lautet: Wie handelt die Fachkraft, wenn die Kinder Stefan, Susi und Karin heißen. Um einschätzen zu können, ob das Wohl des Kindes gefährdet ist, ist ein Einblick in die „fremde“ Lebenswirklichkeit nötig. Und die deutsche oder österreichische Familie ist bei diesem heiklen Thema genauso fremd, wie die Familie aus Tadschikistan. Ihrer Meinung nach gibt es keine Migrationssensibilität, sondern es benötigt eine Kontaktsensibilität. Sie schlägt kontaktsensiblen oder besser noch kultursensiblen Kinderschutz vor, denn eine Kultur bringt jeder Mensch mit.

Für Fachkräfte bedeutet dies in jedem Fall die Reflexion des eigenen Umgangs mit Fremdheit und das Abrufen von Stereotypen im Umgang mit Fremdheit. Dieses Buch liefert mit Besonderem Fokus auf die Bindung eine hervorragende Grundlage dafür. Sehr lesenswert!


 

Karl L. Holtz/ Siegfried Mrochen
Einführung in die Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen
Heidelberg: Carl-Auer 2009 



In den hypnotherapeutischen Konzepten von Milton H. Erickson stehen vor allem eine  ressourcen-, lösungs- und entwicklungsorientierte Perspektive im Vordergrund. Gerade bei der Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen bieten diese Modelle Chancen und Möglichkeiten Krisen zu bewältigen und eine gesunde Entwicklung zu fördern.

Das Buch zeichnet sich besonders durch zahlreiche Fallbeispiele und konkrete Hinweise zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung mit Kindern und Jugendlichen aus. Dabei steht vor allem im Vordergrund, wie die individuellen Stärken von Kindern und Jugendlichen gezielt nutzbar gemacht werden können.

Aufschlussreich an dem Einführungswerk von Holtz und Mrochen ist die ausdrücklich systemische Perspektive auf eine Methode, die ihren Ursprung in der Tiefenpsychologie fand.


 

Hanswille Reinert (Hrsg.)
Handbuch systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2015


Das Herausgeberwerk „Handbuch der systemischen Kinder- und Jugendpsychotherapie“ von Reinert Hanswille, dem Leiter des Instituts für Systemische Familientherapie und Supervision in Essen ist wohl eines der fundiertesten Standardwerke zum Thema im deutschsprachigen Raum.

Dadurch dass die Unterkapitel von verschiedenen Autoren mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund verfasst worden sind, sind das Wissen und die Zugänge vielseitig, spielerisch und immer spannend. Das Handbuch ist für Einsteiger und Interessierte, aber auch Experten der systemischen Familientherapie ansprechend und lehrreich.

Mit Sicherheit ist Herrn Reinert hier ein Standardwerk gelungen, das aus den Regalen so mancher Therapeuten und Berater nicht mehr wegzudenken sein wird.


 

Martin Baierl
Familienalltag mit psychisch auffälligen Jugendlichen
Ein Elternratgeber
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2014

 

Der Elternratgeber „Familienalltag mit psychisch auffälligen Jugendlichen“ von Martin Baierl vermittelt Eltern einerseits Hintergrundwissen zu psychischen Störungen und deren Behandlung, andererseits wird auch auf die unterschiedlichen Störungsbilder im Kinder- und Jugendalter näher eingegangen.

Neben einer umfassenden Symptombeschreibung von psychischen Störungen werden auch praktische Empfehlungen für Eltern im Umgang damit gegeben. Besonders hervorzuheben sind dabei konkrete Tipps für die Alltagsgestaltung bei bestimmten Störungsbildern wie zum Beispiel Depression und Essstörungen. Auch wird bei jeder Störung hervorgehoben, wie Eltern für sich selber sorgen können.

Das Buch ist ein gutes Nachschlagewerk für Eltern, deren Kinder sich im Jugendalter befinden. Auch ist es eine gute Buchempfehlung für Helferberufe, die mit Eltern von psychisch auffälligen Jugendlichen, arbeiten. 


 

Helmut Kuntz
Drogen & Sucht
Ein Handbuch über alles was Sie wissen müssen
Weinheim: Beltz 2007

 

Dem erfahrenen Psychotherapeuten Helmut Kuntz gelingt es den Lesern mit seinem Handbuch Drogen und Sucht einen umfassenden Überblick über legale und illegale Suchtmittel zu geben. Er unterscheidet dabei zwischen legalen Einstiegsdrogen wie Nikotin und Alkohol und illegale Rauschmittel wie Cannabis und chemische Drogen.

Auch verdeutlicht er wie wichtig der Übergang von der weichen Droge Cannabis, mit der man sich durchaus auch sehr schaden kann, zu härteren chemischen Drogen wie Ecstasy, Kokain und Heroin ist. Mit vielen anschaulichen Praxisbeispielen zeigt der Autor die Dynamik und gehemmte gesunde Entwicklung, die meistens hinter Süchten steckt, und wie manche Patientinnen und Patienten wieder aus dem Teufelskreis herausfinden.

Das Buch ist ein solides Nachschlagewerk für alle Professionen des Psychosozialen Bereichs als auch für Angehörige und vor allem Eltern. Auch bezieht Herr Kuntz deutlich Stellung dazu, dass es in einer von Egoismus und Gier geprägten Gesellschaft nicht weiter verwunderlich ist, dass manche Mitglieder ihre Frustration durch eine Sucht ausleben.


 

Jürgen Hardt/ Matthias Ochs/ Uta Cramer-Düncher
Verloren in virtuellen Welten
Computerspielsucht im Spannungsfeld von Psychotherapie und Pädagogik
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2009

 


Das Herausgeberwerk von Hardt, Cramer-Düncher und Ochs bietet mit Beiträgen von unterschiedlichen Autoren einen fundierten Einblick in das Thema Computerspielsucht. Besonders zeichnet das Buch aus, dass versucht wird den Lesern die Faszinationskraft der verschiedenen Spielewelten wie Second Life, World of Warcraft und Counterstrike näher zu bringen.

Auch wird die subjektive Sicht der spielenden Jugendlichen miteinbezogen. Schlüsselfaktor für eine Computerspielsucht scheint das Selbstwirksamkeitserleben durch die schnellen Erfolgserlebnisse zu sein, die im Spiel unmittelbarer erfolgen als im realen Leben. Auch ist die digitale Spielewelt exakt kalkulierbar und vorhersehbarer als die echte Welt. Auch werden soziale Zurückweisungen als weniger schmerzlich erlebt.

Die Autoren werben auch dafür, dass Helfer und Eltern den virtuellen Welten und neuen Medien akzeptierend und nicht dämonisierend gegenüberstehen. Dadurch ist es für Kinder und Jugendliche möglich ihre digitale Welt den Erwachsenen näher zu bringen und Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie sie brauchen.

Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zum Thema Computerspielsucht auf hohem fachlichem Niveau.


 

Gudrun Görlitz
Psychotherapie für Kinder und Jugendliche
Erlebnisorientierte Übungen und Materialien
Stuttgart: Klett-Cotta 2014, 6. Aufl.

 

Im Zentrum dieses Buches stehen erlebnisorientierte Übungen und Materialien sowie Störungs- und Behandlungsinformationen, welche praktisches psychotherapeutisches Arbeiten im Alltag erleichtern. Einstiegs-, Gefühls- und Besinnungsübungen werden klar vorgestellt sowie Übungen zur sozialen Kompetenz, zur Selbsthilfe und störungsbezogene Übungen.

Zahlreich Fallbeispiele machen das Buch gleichermaßen für erfahrene wie in Ausbildung befindliche TherapeutInnen zu einem reichhaltigen Fundus.


 

Elisabeth Rohr/ Mechtild M. Jansen/ Jamila Adamou (Hrsg.)
Die vergessenen Kinder der Globalisierung
Psychosoziale Folgen der Migration
Gießen: Psychosozial Verlag 2014

 

Was passiert mit zurückgelassenen, allein geflüchteten und remigrierten Kinder und Jugendlichen? Welche psychosozialen Folgen zieht die erzwungen Autonomie der Kinder nach sich? Was passiert mit nachgeholten Kindern bei Arbeitsmigration?

Migration wird als eine prinzipiell schmerzliche Erfahrung von Trennung und Trauer verstanden. Transnationale Mutterschaft und Kindheit, wird hier ebenso skizziert wie ihre psychosoziale Folgen anhand von Praxisbeispielen und Falldarstellungen. Ein erster Schritt in eine sehr wichtige Forschungslandschaft!


 

Wiltrud Brächter (Hrsg.)
Der singende Pantomime
Ego-State-Therapie und Teilearbeit mit Kindern und Jugendlichen
Heidelberg: Carl Auer 2014

 

Der Herausgeberin Brächter ist hier eine hervorragende Sammlung zum Thema Teile und Ego-State-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelungen.

Sehr anschaulich und für PsychotherapeutInnen äußerst brauchbar beschrieben, bietet sie eine Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten und produziert hier ein Buch, der zum Schatz vieler BehandlerInnen werden kann. Ermutigende Beispiele regen BehandlerInnen an dieses kreative Konzept in die Arbeit mit ihren jungen KlientInnen einzusetzen und weiter zu adaptieren.

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis.


 

Gudrun Kallenbach
Begleitende Elternarbeit in der psychodynamischen Kindertherapie
Eine theoretische Konzeptualisierung
Gießen: Psychosozial Verlag 2014

 

Durch die vergleichende Analyse von 6 Fällen (3 Mädchen, 3 Jungen), die langzeittherapeutisch zwischen 50 und 150 Stunden behandelt wurden, gelangt die Autorin in ihrer empirischen Prozessforschungsstudie zu Erkenntnissen bezüglich der reflexiven Verknüpfung von Kindertherapie und Elterngesprächen im Hinblick auf unterstützende und hemmende Einflüsse der Elternarbeit auf das Kind.

In der Kindertherapie ist Elternarbeit ein wichtiger Bestandteil des therapeutischen Vorgehens. Sie kann für das Gelingen und Scheitern einer Psychotherapie mit einem Kind eine entscheidende Bedeutung haben. TherapeutInnen befinden sich an der Schnittstelle der Interaktionen mit dem Kind und seinen Eltern und werden mit identifikatorischen Anteilen des Kindes und der Eltern wechselweise besetzt. Damit stellt sich die Frage nach einem Umgang mit diesen Kreuzidentifikationen, die förderlich und nicht hinderlich für den psychotherapeutischen Prozess sind. Dabei beschreibt Kallenbach die verbalen und nonverbalen Interaktionsformen, an denen eine Produktivität des therapeutischen Prozesses deutlich wurde.

Für PraktikerInnen eine anschauliche Dokumentation psychotherapeutischen Arbeitens in der triadischen Kompetenz mit Kindern und ihren Eltern.


 

Roland Bösel / Sabine Bösel
Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?
Über Risiken und Nebenwirkungen des emotionalen Erbes fragen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner
Wien: Orac/Krenmayr & Scheriau 2013

 

Eltern zu sein bedeutet auch Risiken und Nebenwirkungen für die folgenden Generationen zu haben. Leider gibt es dazu keinen Beipackzettel, der unsere Kinder vorwarnt.

Das Böselpaar will mit diesem Buch ermutigen, den eigenen Beipackzettel zu entdecken. Es gilt nicht nur zu erkennen, welche Nebenwirkungen ihre Eltern auf sie gehabt haben und weshalb sie sich heute so und nicht anders verhalten, sondern wie auch ihr Vorbild auf ihre Kinder Wirkung und Nebenwirkungen hat.


 

Richard C. Harrington
Kognitive Verhaltenstherapie bei depressiven Kindern und Jugendlichen
Ego-State-Therapie und Teilearbeit mit Kindern und Jugendlichen
Göttingen: Hogrefe 2013

 

Depressive Störungen gehören zu den Leiden, die auch bei Kindern und Jugendlichen zugenommen haben. Das vorliegende Manual, das erstmals 2001 veröffentlicht wurde, beschreibt ein standardisiertes verhaltenstherapeutisch orientiertes Behandlungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit einer depressiven Störung.

Das Manual gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil wird übersichtlich und knapp formuliert das grundlegende therapeutische Vorgehen bei Depressionen bei Kindern und Jugendlichen skizziert. Im zweiten Teil des Manuals werden die einzelnen therapeutischen Bausteine für den Alltag praxisorientiert dargestellt. Arbeitsblätter sind auf einer CD-ROM zur Verfügung gestellt.

Das Manual bietet für ExpertInnen Impulse für die eigene praktische Anwendung und gibt doch eine brauchbare Struktur, die adaptierbar für individuelle Bedürfnisse ist.


 

Pamela A. Foelsch/ Susanne Schlüter-Müller/ Anna E. Odom/ Helen Arena/ Andrés Borzutzky H./ Klaus Schmeck
Behandlung von Jugendlichen mit Identätsstörungen (AIT)
Ein integratives Therapiekonzept für Persönlichkeitsstörungen
Heidelberg: Springer 2013

 

AIT – Adolescent Identity Treatment ist ein Behandlungsmodell der Forschungsgruppe White Plains am New York Presbyterian Hospitel in White Plains, die von der 2006 verstorbenen Paulina Kernberg und Pamela Foelsch entwickelt wurde, um die Integration von Identität bei Jugendlichen fördern zu können. Ihr Anliegen war es zwischen Identitätsdiffusion und Identitätskrise unterscheiden zu können.

Krisen münden meist in eine normale, konsolidierte Identität, eine Diffusion wird als Grundlage für nachfolgende Persönlichkeitspathologien angesehen, die zu einem breiten Spektrum von maladaptivem und dysfunktionalem Verhalten führen.

Das Autorenteam hat sehr umfangreich die Einsatzmöglichkeiten von AIT in einem 160 starken Manual beschrieben und mit Fallbeispielen anschaulich dargestellt.


 

Ullrich Bauer/ Martin Driessen/ Michael Leggemann/ Dieter Heitmann (Hrsg.)
Psychische Erkrankungen in der Familie
Das Kanu-Manual für die Präventionsarbeit
Köln: Psychiatrie Verlag 2013

 

Kanu=Kinder stärken. Das Manual findet seine Hauptanwendungsgebiet im ambulanten Präventionsbereich und zeigt Leitfäden für Familiengespräche, Manuale für Gruppensitzungen oder PPT-Folien für die Psychoedukation. Alle Materialien sind auch als Download verfügbar.

Das vorliegende Manual für Kinder und Jugendliche orientiert sich noch eher an einer geschlossenen Gruppenform, das Manual für die Elterngruppe ist sowohl für geschlossene als auch halboffene Gruppen.


 

Alba Polo
Die Bedeutung des Vaters in der weiblichen Adoleszenz
Psychoanalyse als narrative Untersuchungsmethode in der Entwicklungspsychologie
Gießen: Psychosozial Verlag 2013

 

Wie wichtig Väter für die Entwicklung heranwachsender Frauen sind, zeigt uns diese Studie von Alba Polo auf eindrückliche Weise. Sie zielt auf die subjektiven Konstruktionen und schließt an biographische Erfahrungen der Mädchen und jungen Frauen: ihre Wünsche, Zumutungen, Hoffnungen, ihre Auseinandersetzungen mit sich und ihrer Lebenswelt.

Diese Studie überzeugt als eine qualitative Studie mit sozialkonstruktivistischer Perspektive und psychoanalytischem Verständnis und ist jetzt schon von hoher Bedeutung für die Entwicklungspsychologie, die Adoleszenzforschung, die Familien- und Väterforschung und den qualitativen Forschungsstil.

Die Autorin ging den Fragen nach:

  • Wie erleben klinisch unauffällige, „gesunde“ Mädchen ihren Vater?
  • Welche Bedeutung hat er in ihrem Erleben und welche Wünsche und Ängste heben sie ihm gegenüber?
  • Welche Funktion hat der Vater in der psychischen Entwicklung adoleszenter Mädchen?

Ziel dieser Studie ist es, das subjektive Erleben adoleszenter Mädchen zu cxplorieren und herauszufinden, wie sie ihren Vater und sich selbst in der Beziehung zu ihm erleben.

Das Neue an der Studie ist, dass das biographische Interview aus einem interaktiven Gesichtspunkt untersucht worden ist, deshalb wurde ein Vorgehen zur empirischen Untersuchung von Übertragungsphänomenen entwickelt in Form des intendierten Hörers und dem narrativen Konflikts. Polo zeigt somit ganz deutlich, wie die Subjektivität des Forschers den Forschungsprozess prägt und wie vielschichtig und ergiebig ein psychoanalytisches Herantreten an menschliches Forschungsmaterial ist.

Beeindruckende 500 Seiten.


 

Rüdiger Retzlaff
Einführung in die systemische Therapie mit Kindern und Jugendlichen
Heidelberg: Carl Auer 2013

 

Neben systemischen Grundannahmen, theoretischen Konzepten und Störungsmodellen werden auch entwicklungspsychologische Grundlagen erläutert, die für die Praxis der systemischen Arbeit wichtig sind, bevor die therapeutische Praxis und Fallbeispiele erläutert werden. Der soziale Kontext ist v.a. in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen besonders wichtig – und insbesondere ist es auch für nicht Systemiker keine Frage mehr, Familienangehörige in die therapeutische Arbeit miteinzubeziehen.

Dieses Buch ist eine kompakte Einführung.


 

Christiane Bauer / Thomas Hegemann
Ich schaffs! – Cool ans Ziel
Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen
Heidelberg: Carl Auer 2012, 3. Aufl.

 

Ben Furmann hat mit Tapani Ahola das der Idee dieses Buches zugrunde liegenden Konzept seit 20 Jahren in Finnland entwickelt und immer weiter ausgebaut. Bauer und Hegemann haben zu den Schritten von "Ich schaffs!" ein großes Metheodenrepertoire entwickelt, das speziell auf die Altersgruppe von 13-17 Jahren zugeschnitten ist.

Herzstück dieses Buches sind zahlreiche Praxisbeispiele, die nicht nur die 15 Schritte anschaulich machen, sondern auch das breite Anwendungsfeld.


 

Rainer Hirschberg
Systemisch-lösungsorientierte Gruppentherapie mit Kindern und Jugendlichen
Das AFoG-Konzept
Dortmund: Borgmann 2012

 

Die auftragsfokussierte Gruppentherapie für Kinder und Jugendliche ist ein gutes Beispiel, wie zielorientiert man auch mit Kindern und Jugendlichen therapeutische Prozesse auf eine sehr lebendige Art in den therapeutischen Alltag bringen kann. Als Metakonzept kann dieses auch auf bereits bestehende Gruppenmodelle übertragen und individuell integriert werden, ohne genau dem Konzept der AFoG folgen zu müssen. Hirschberg gibt gute Beispiele aus der Praxis und Übungen, die zu mehr anregen.

GruppentherapeutInnen finden hier ein sehr brauchbares Buch für Impulse und Anregungen für das eigene Tun. Hirschberg gelingt es, Theorie, Methodik und Techniken praktikabel zu vermitteln und regt an, dies immer wieder kundengerecht weiterzuentwickeln.


 

Manfred Vogt / Filip Caby
Ressourcenorientierte Gruppentherapie mit Kindern und Jugendlichen
Dortmund: Borgmann 2010

 

Vogt und Caby haben ein breites Spektrum der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zusammengestellt . Dabei ist der rote Faden sicherlich die Resssourcen, die Kinder als wesentliche Quelle der Veränderung in sich tragen. Es werden systemisch-narrative Konzepte (Gerland), kurztherapeutische (Hirschberg), bindungstheoretische (Rahm) und psychoanalytische Ansätze (Möller) in der Gruppentherapie einander gegenübergestellt.

Praktiker finden hier sicherlich neue Impulse für ihre tägliche Arbeit.


 

Jane Ellen Smith / Robert J. Meyers
Mit Suchtfamilien arbeiten
CRAFT: Ein neuer Ansatz für die Angehörigenarbeit
Köln: Psychiatrie Verlag 2009

 

Die Co-Abhängigkeit von Angehörigen von Suchterkrankten ist kein Geheimnis mehr. Smith und Meyers greifen jedoch dieses Konzept zu kurz. Größtenteils sind stressbedingte Erkrankungen wie Depressionen, Ängste und somatoforme Störungen Thema.

Die Autoren stellen das CRAFT-Konzept vor: Community Reinforcement Ansatz basiertes Familient Training, ein kognitiv-behaviorales Programm. Dieses Programm wurde entwickelt, um Familienangehörigen Fertigkeiten zu vermitteln, die ihnen dabei helfen können, die ihnen nahestehende Person zu einer Behandlung zu motivieren.

Als Bestanteil des Trainings lernen die Familienangehörigen positive Kommunikation und angemessene Problemlösestrategien anzuwenden. Arbeitsblätter als Download verfügbar.

Gruppen

 

Cornelia Löhmer, Rüdiger Stanhardt
TZI Die Kunst, sich selbst und eine Gruppe zu leiten
Einführung in die Themenzentrierte Interaktion
Stuttgart: Klett-Cotta Verlag,  2015

Nebst Ausführungen zur TZI gibt es auch noch ein Interview zwischen Ruth C. Cohn und Friedemann Schulz von Thun. Ruth Cohn habe die TZI so genannt, da die Gruppen immer auf ein Thema zentriert sind. Für jede Arbeits- und Lerneinheit wird ein Thema formuliert. Die Art und Weise der Strukturierung eines Sachanliegens hat Einfluss auf den Prozess und das Vertrauen in einer Gruppe.

Die Autoren beschreiben jedoch auch die Schattenprozesse von Chaos-Stagnation- und Misstrauen. Die Gruppenleitenden bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen dem authentischen Sich-Einlassen auf den Gruppenprozess und dem kompetenten Wahrnehmen der Leitungsfunktionen. 


 

Angelika Rubner, Eike Rubner
Unterwegs zur funktionierenden Gruppe
Die Gestaltung von Gruppenprozessen mit der themenzentrierten Interaktion
Gießen: Psychosozial Verlag, 2016

Die themenzentrierte Interaktion bietet eine wichtige Hilfestellung in der Arbeit mit Gruppen, die auf soziales Lernen und persönliche Entwicklung zielt.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt in der Darstellung der möglichen Entwicklungsphasen, die eine Gruppe durchläuft und welche Rolle die Leitung spielt. In verschiedenen Fallvignetten wird Orientierung für Leitungsinterventionen gegeben.


 

Lindenmeyer (Hg)
Offene Gruppen 1, Therapie Tools
Weinheim: Beltz 2015, 2. Auflage

In gewohnter Manier finden wir hier evidenzbasierte Gruppentherapiemanuale in mehr oder weniger brauchbarer Form.

Für ExpertInnen findet sich hier Anregung und Bestätigung eigenen Tuns, für Newcomer willkommenes Hinführen und Aufbereiten von Inhalten. 

Zu 11 verschiedenen Störungs- und Problembereichen werden hier themenspezifische Arbeitsmaterialien auch in e-book Form zur Verfügung gestellt. 


 

Lindenmeyer (Hg)
Offene Gruppen 2, Therapie Tools
Weinheim: Beltz 2011 

Im Teil 2 der Therapie Tools offene Gruppen findet sich eine Fortsetzung evidenzbasierter Gruppentherapiemanuale.

Zu 12 verschiedenen Störungs- und Problembereichen, von der Alkohlabhängigkeit bis zur Raucherentwöhnung und Stress am Arbeitsplatz, werden hier themenspezifische Arbeitsmaterialien auch in e-book Form zur Verfügung gestellt. 


 

Rüdiger Hinsch / Ulrich Pfingsten
Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK
Weinheim: Beltz 2015, 5. Auflage

 

In sozialen Beziehungen berichten KlientInnen immer wieder ähnliche Schwierigkeiten. Das Interventionskonzept des GSK in Gruppen erlaubt sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Praxisbereichen vielfältige Abwandlungen für ganz unterschiedliche Zielgruppen.

Das Gruppentraining soll soziale Kompetenzen selbstsicheren Verhaltens vermitteln. Durch Rollenspiele kann man in unterschiedlichsten alltagsnahen Situationen üben. Mit zahlreichen Arbeitsblättern und Fragebögen sowie Postern und Videos zum Downloaden ist es hilfreiche Unterlage für alle Anwender. 


 

Dankwart Mattke / Luise Reddemann / Bernhard Strauß
Keine Angst vor Gruppen!
Gruppenpsychotherapie in Praxis und Forschung
Stuttgart: Klett-Cotta 2011, 2. Auflage

 

Das Autorentrio vermittelt einen systematischen Zugang zum Gruppensetting, zur Gruppendynamik und zum Einsatz störungsorientierter Sichtweisen in Gruppenbehandlungen. Reddemann und Mattke fokussiert vermehrt die Praxis, während Strauß in seinem Kaptitel die Frage beantwortet, welche wissenschaftliche Evidenz für Gruppentherapien und gruppentherapeutische Prozesse vorliegen.

Viele PsychotherapeutInnen sind mit der Durchführung von Gruppen im ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen konfrontiert, ohne hierfür besonders ausgebildet zu sein. Wird in den Ausbildungsinstitutionen noch zeitgemäß versorgungsrelevant ausgebildet? Angst vor Gruppe scheint sich auf beiden Seiten, auf Klienten- wie auf TherapeutInnenseite immer wieder breit zu machen.

ExpertInnen können sich in diesem Buch allererlei Anregungen holen über Zusammenstellung der Gruppen, ihre typischen Phasenverläufe und erwartbare Konflikte. Reddemann versucht v.a. über spezielle Erfordernisse von Gruppen mit traumatisierten Menschen zu berichten. In jeder Hinsicht ein brauchbares Handbuch das sowohl praktisch als auch theoretisch informiert. Besonders empfehlenswert das Kapitel über den Zusammenhang von Bindungstheorie und Gruppenpsychotherapie, Bindungsmerkmale und Gruppenprozesse. 


 

Dankwart Mattke/ Ulrich Streeck/ Oliver König
Praxis stationärer und teilstationärer Gruppen
Stuttgart: Klett-Cotta 2015

 

Das Autorentrio nähert sich dem Thema jeweils aus unterschiedlicher Perspektive. Mattke widmet sich den Rahmenbedingungen, der Vielfältigkeit von Gruppenformaten in Form von Vorstellung von Manualen und den fehlenden Ausbildungsvoraussetzungen für PsychotherapeutInnen. Streeck beschäftigt sich seit 25a mit der Mikrosoziologie von Gruppen, dem interpersonellen Rahmen, er konzentriert sich auf das „Dazwischen“. König versucht die sozialwissenschaftliche Perspektive aufzuzeigen, welche sozialen Prozesse auf die Wirklichkeit stationärer Gruppenpsychotherapie einwirken.

Das Buch zeigt u.a. auch die praktischen Herausforderungen, die sich aus der Einbettung der Gruppenpsychotherapie im Krankenhaus, ebenfalls eine soziokulturuelle Gruppen, mit vielen Untergruppen ergeben: Das Aufeinandertreffen von zwei unterschiedlichen und teilweise konträren Systemtypen und Handlungslogiken. Der daraus entstehende Strukturkonflikt, wird den beteiligten Personen und Instanzen in einem nicht endenden Aushandlungsprozess aufgebürdet. Empfehlenswert für GruppentherapeutInnen. 


 

Eberhard Stahl
Dynamik in Gruppen
Handbuch der Gruppenleitung
Weinheim: Beltz 2012, 3. Auflage

 

Welchen Zweck hat dieses Buch: theoretische Orientierung und praktisches Handwerkszeug jenen zu bieten, die selbst Gruppen leiten.

Das Leben in Gruppen, das Arbeiten in Teams, Truppen oder Haufen ist anspruchs- und spannungsvoller geworden, jedoch auch mehr vom Scheitern bedroht. Stahl wendet sich mit diesem Buch an den “Coach“, einen Fachmann oder Fachfrau für Teamentwicklung, der, die von außen hinzugezogen wird. Aber auch an alle, die in Gruppen leben und arbeiten.

Stahl legt ein Repertoire an die Hand um heilsame und verkraftbare Interventionen zu wagen. V.a. die vier Gruppenfeldtypen: Gemeinschaft, Truppe, Team und Haufen sind sehr hilfreich für die Praxis.


 

Oliver König / Karl Schattenhofer
Einführung in die Gruppendynamik
Heidelberg: Carl Auer 2012

 

Gruppen sind eine Grundform des sozialen Lebens. Sich in ihnen zurechtzufinden und sie zu leiten ist eine Herausforderung.

Dieses Buch ist für allgemein Interessierte und als begleitende Lektüre für TeilnehmerInnen an gruppendynamischen Fortbildungen gedacht, die ihre Erfahrungen und die damit verbunden Fragen weiterverfolgen wollen. Fallvignetten zu Gruppen sollen das Dargestellte anschaulich machen.