Missbrauch

Kennzeichnend für sexuellen Missbrauch ist ein Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, wobei der Täter seine Autoritätsstellung oder Vertrauensposition ausnutzt, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten der abhängigen Person zu befriedigen.

Sexueller Missbrauch ist somit Missbrauch von Macht in Erziehungs-, Betreuungs- und Ausbildungsverhältnissen oder auch von Machtungleichheiten bei Geschlechtern.

Sexueller Missbrauch bzw. sexuelle Gewalt betrifft zwar vorwiegend Kinder und Jugendliche, spiegelt aber oft auch ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen wider, denn in 80-90% der Fälle sexuellen Missbrauchs geht die Gewalteinwirkung vom Mann aus.

Von sexuellem Missbrauch betroffen sind Kinder aller Altersgruppen. Der Anteil der Kinder, die im Vorschulalter missbraucht werden, liegt zwischen 8-14%. Das Durchschnittsalter der missbrauchten Kinder liegt ungefähr bei 11 Jahren. In Österreich werden jährlich rund 700 Sexualdelikte an unter 14-jährigen zur Anzeige gebracht (vgl. Oö. Kinder- und Jugendanwaltschaft 2002, S. 7) Sexuelle Gewalt ist daher für viele Knaben und Mädchen ein alltägliches Problem, das nur in Ausnahmefällen an die Öffentlichkeit dringt. Die von Fachleuten vermutete enorm hohe Dunkelziffer ist begründet in den damit verbundenen Emotionen wie Scham, Furcht, Hilflosigkeit, Wut oder Entsetzen.

Aber auch Knaben sind von sexuellem Missbrauch betroffen, man schätzt jeder siebte bis neunte Bub. Bei männlichen Opfern kommen die Täter seltener aus den Familien, sondern sind z.B. Lehrer, Betreuer oder Sporttrainer. Knaben als Opfer sexuellen Missbrauchs werden oft erst spät entdeckt, da Männer zögern, sich in der Rolle des Opfers zu sehen. Außerdem hat der sexuelle Übergriff meist homosexuellen Charakter, da die Täter ebenfalls überwiegend männlich sind. Knaben sind zum Zeitpunkt des Missbrauchs meist etwas jünger als betroffene Mädchen und ihr Missbrauch ist häufiger mit körperlicher Gewalt verbunden.Einverständliche sexuelle Handlungen mit Kindern werden aus moralischen Gründen abgelehnt. Hierbei werden vornehmlich folgende Argumente angeführt:Fehlende informierte Zustimmung: Kinder können sexuellen Handlungen nicht informiert zustimmen, da sie die Tragweite ihrer Entscheidungen nicht erfassen können. Dies gilt für sexuelle Handlungen von Kindern untereinander wie auch für solche mit Erwachsenen.Disparität der Wünsche: Bei sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern treffen unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse aufeinander: beim Erwachsenen der nach sexueller Befriedigung und erotischer Nähe, während das Kind hingegen vornehmlich körperliche sowie emotionale Zuwendung und weniger sexuelle Nähe und emotionale Zuwendung sucht.Machtgefälle: Zwischen Erwachsenen und Kindern besteht ein strukturelles Machtgefälle. Das Kind befindet sich in einer schwächeren Position.

Da Kinder in Einzelfällen jedoch sagen, dass sie "es" gewollt hätten, ergibt sich ein Dilemma, das nach Bange (2000) durch das Konzept des "wissentlichen Einverständnisses" gelöst werden kann. Es geht davon aus, dass Kinder gegenüber Erwachsenen keine gleichberechtigten Partner sein können, weil sie ihnen körperlich, psychisch, kognitiv und sprachlich unterlegen und Erwachsenen rechtlich unterstellt sind. Daher können sie sexuelle Kontakte mit Erwachsenen nicht wissentlich ablehnen oder ihnen zustimmen.

Auf Grund dieses strukturellen Machtgefälles ist jeder sexuelle Kontakt zwischen einem Kind und einem Erwachsenen sexueller Missbrauch (Bange & Deegener 1996, S. 96f.). Diese Position wird von Befürwortern der Pädosexualität bestritten, jedoch ist pädosexuell immer nur der Erwachsene und es kann dem Kind kaum eine sexuell eingefärbte Adultophilie (Liebe zu Erwachsenen) unterstellt wrden (Dannecker 2002, S. 392).

Einig sind sich WissenschaftlerInnen darüber, dass alle sexuellen Handlungen, die durch Drohungen oder körperliche Gewalt erzwungen werden, sexueller Missbrauch sind. Ebenso einhellig gilt es als sexuelle Gewalt, wenn die sexuellen Kontakte gegen den Willen eines Kindes oder einer/einem Jugendlichen stattfinden. Wenn Kinder in Einzelfällen jedoch sagen, dass sie "es" auch gewollt hätten, darf daraus nicht der Schluss auf ein Einverständnis gezogen werden, vielmehr ist eine solche Aussage eine wichtige Strategie, um die Situation überhaupt zu ertragen.

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