Angststörung

Angst an sich stellt einen ganz normalen menschlichen Gefühlszustand dar und tritt als sinnvolles Warnsignal auf, wenn Ereignisse und Situationen als bedrohlich, ungewiss oder unkontrollierbar eingeschätzt werden. Treten Ängste ohne reale Bedrohung oder auch nach deren Beseitigung auf und sind sie übermäßig stark und häufig, führen sie zur Lebensbeeinträchtigung und man spricht von einer Angststörung.

Angststörungen sind mit belastenden körperlichen Symptomen und Kontrollverlust über die Angst verbunden. Ausgeprägte Erwartungsängste sind daher oft die Folge, und durch die Vermeidung der Angst machenden Situationen kann es zur Unterlassung wichtiger Aktivitäten kommen. Dies führt zu z.T. sehr erheblichen Lebenseinschränkungen. Angsterkrankungen betreffen mittlerweile eine Vielzahl an Menschen und niemand ist davor gefeit.

Ursachen
Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, warum Angststörungen entstehen.Aus biochemischer Sicht liegt bei Angsterkrankungen fast immer ein Mangel an bestimmten „Botenstoffen” im Gehirn vor. Damit das Gehirn seine Funktionen erfüllen kann, muss der Informationsaustausch zwischen den Gehirn-zellen reibungslos verlaufen. Dazu werden Botenstoffe benötigt. Die wichtigsten sind Serotonin und Noradrenalin. Wenn sie nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind, kann eine Angststörung entstehen.

Risikogruppen
Angststörungen betreffen Menschen aller Altersschichten. 15-25% der Gesamtbevölkerung erkranken zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Angststörung, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Es wird geschätzt, dass derzeit ca. 500.000 Österreicher an einer Angsterkrankung leiden. Angststörungen treten nicht selten in Verbindung mit anderen psychischen, aber auch körperlichen Erkrankungen auf.

Aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Stress am Arbeitsplatz, Existenzsorgen aus Angst vor Kündigung, psychischer Druck, Mobbing etc. führen immer häufiger zu Angststörungen. Andererseits bewirken gerade die Angststörungen bzw. ihre Folgen wie lange Krankenstände, Arbeitsunfähigkeit, depressive Erschöpfungsreaktionen und ähnliches wiederum erhebliche Probleme im Beruf.

Behandlung
Glücklicherweise gibt es heute zahlreiche Therapieformen zur wirksamen Behandlung von Angststörungen. Diese umfassen sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Ansätze. Oft werden Therapiemethoden kombiniert, um dem Patienten möglichst schnell und wirkungsvoll zu helfen.

Durch die Entwicklung neuer Substanzen hat sich die medikamentöse Behandlung von Angstzuständen laufend verbessert. Heute stehen z.B. hochmoderne Medikamente wie Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer zur Verfügung. Sie ermöglichen eine höhere Konzentration der beiden Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn. Durch die duale Wirksamkeit lindern sie nicht nur Angstsymptome, sondern beeinflussen auch die Stimmung und gleichen auch mangelnden Antrieb und fehlende Motivation aus.

Fomen der Angsstörung:

Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung ist gekennzeichnet durch Angst vor allem und jedem und ist nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt, sondern frei flottierend.

„Generalisiert” heißt, dass diese Form der Angststörung durch übertriebene, unrealistische, andauernde Besorgnisse, Ängste und Befürchtungen in Bezug auf vielfältige Aspekte des Lebens charakterisiert ist. Diese Ängste dauern mindestens sechs Monate an, ohne dass die Betroffenen sie kontrollieren können, obwohl ihnen klar ist, dass sie unbegründet sind.

Die Personen leiden unter ständigen unkontrollierbaren Sorgen und Befürchtungen, die sich im wesentlichen um die alltäglichen Dinge des Lebens drehen. Beispielsweise sorgt sich eine Hausfrau und Mutter, dass ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, dass er seinen Job verliert. Aus ständiger Angst um die Kinder müssen diese permanent über das Handy erreichbar sein. Sie hat Angst, dass die Tochter schwanger wird, der Sohn Drogen nimmt, der Mann sie betrügt. Entspannungsphasen sind immer seltener möglich und Schlafstörungen können dazukommen.

Panikstörung

Eine Panikstörung besteht aus wiederholten Panikattacken. Die Angstanfälle sind nicht auf eine spezifische Situation oder ein spezifisches Objekt bezogen und treten oft spontan auf, das heißt sie sind nicht vorhersagbar. Die Panikattacken sind nicht verbunden mit besonderen Anstrengungen oder bedrohlichen Situationen.

Eine Panikattacke ist gekennzeichnet durch intensive Angst oder Unbehagen, beginnt abrupt, erreicht innerhalb von Minuten einen Höhepunkt und dauert mindestens einige Minuten. Sie ist begleitet von Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen, Atembeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Unsicherheit, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben.

Durch diese Panikattacken kommt in der Folge die Erwartungsangst dazu, dass eine neuerliche Panikattacke auftreten könnte, welche die Lebensqualität deutlich einschränkt.

Agoraphobie

Ein Mensch mit einer Agoraphobie vermeidet auf Grund seiner Furcht ständig bestimmte Orte und Situationen, wie beispielsweise Menschenmassen, öffentliche Plätze, allein Reisen oder Reisen zu weit von Zuhause entfernt.

Agoraphobiker fürchten sich primär nicht vor bestimmten Orten, Situationen oder Menschenansammlungen, sondern davor, was ihnen dort passieren könnte, wenn sie allein und schutzlos sind, dass heißt ohne ein Sicherheitssignal (vertraute Person, Handy, Medikament, Fluchtweg etc.).

Die Angstsymptome werden ausgelöst, wenn die Betroffenen ihre gewohnte und sichere Umgebung verlassen, keine schützenden und vertrauten Personen um sich haben und keine Fluchtmöglichkeit vorfinden. Das zentrale Gefühl ist „Du sitzt in der Falle!” Agoraphobiker leiden unter einer mangelnden Situationskontrolle.

Soziale Phobie

Angst davor, von anderen beurteilt, prüfend betrachtet und möglicherweise kritisiert zu werden – oder überhaupt im Blickpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen: das macht eine soziale Phobie aus.

Wer darunter leidet, wird die gefürchteten Situationen tunlichst meiden, da er sie nur unter großer Anstrengung überstehen kann, und wird seine sozialen Kontakte dadurch mehr und mehr einschränken.

Eine Sozialphobie besteht im wesentlichen aus einer Beurteilungsangst. Die Betroffenen wissen zwar, dass ihre Ängste übertrieben oder unbegründet sind, sie können ihr Angst- und Vermeidungsverhalten aber nicht kontrollieren. Als Folge der Angst treten in sozialen Situationen auch verschiedene körperliche Symptome auf, wie etwa Erröten, Schwitzen, Zittern, Übelkeit mit Brechreizneigung, Harn- oder Stuhldrang.

Typische Situationen, in denen soziale Ängste auftreten, sind beispielsweise sich in der Gegenwart anderer äußern, bei einem bestimmten Anlass öffentlich in Erscheinung zu treten, Personen des anderen Geschlechts ansprechen, Essen und Trinken mit anderen, Teilnahme an Gruppenaktivitäten, telefonische Kontakte, unter Beobachtung anderer schreiben oder eine Unterschrift leisten, in einer Leistungssituation von anderen beobachtet werden, in einem Lokal in der Mitte sitzen, Besuch öffentlicher Toiletten, Bewerbungsgespräche vornehmen etc.

Spezifische Phobien

Bei einer spezifischen Phobie besteht eine eng umschriebene Angst vor bestimmten, an sich ungefährlichen Objekten und Situationen, das heißt vor Reizen außerhalb des eigenen Körpers.

Die spezifischen Phobien werden eingeteilt:

  • Tier-Typ (z.B. Insekten, Hunde)
  • Naturgewalten (z.B. Sturm, Wasser)
  • Blut-Injektions-Verletzungstyp
  • Situativer Typ (z.B. Fahrstuhl, Tunnel)
  • Andere Typen