30.06.2016 | Pressetexte

Wetterfühligkeit


Heute noch 25 Grad  aber wenige Tage später fällt die Temperatur auf 12 Grad mit kaltem Wind. Für viele Menschen sind rasche Temperatur- oder Luftdruckschwankungen kein Grund zur Freude, denn die Wetterfühligkeit auch Meteoropathie genannt, führt oft zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Migräne,  Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gelenksschmerzen und Schlafstörungen. Die Meteoropathie ist ein noch weitgehend unerforschtes medizinisches Phänomen, ist jedoch als ernstzunehmende Befindlichkeitsstörung anerkannt.

Dabei handelt es sich im medizinischen Sinn nicht um eine Krankheit, sondern um eine Störung des vegetativen Nervensystems, das auf Umweltreize reagiert und die Stoffwechselprozesse und Organfunktionen daran anpasst, was oft schon Tage im voraus zu spüren ist. Temperatur und Luftfeuchtigkeit nehmen tatsächlich Einfluss auf den Wärmehaushalt und die Flüssigkeitsbilanz des Körpers. Experten erklären sich dies durch an Wetterfronten auftretenden elektromagnetischen Feldern, die sogenannten Sferics. Geringste Luftdruckschwankungen können hier zur Beschwerden führen, die vor allem über Druckrezeptoren an der Halsschlagader wahrgenommen werden. (Dr. Kummer, Wetterexpertin im ORF)

Klimawandel und Wetterfühligkeit
Meteorologen zufolge ändert sich ungefähr alle sechs Tage die Großwetterlage, was häufig mit starken Temperatur- und Luftdruckschwankungen verbunden ist. Unter diesem Aspekt wird klar, wie sehr Wetterfühligkeit die Lebensqualität beeinflussen kann. Temperaturschwankungen, wie wir sie sie v.a. im Frühjahr kennen, können jedoch auch wie wir sie auch jetzt häufig noch im Juni erleben, ganzjährig auftreten. Der Körper passt sich den Veränderungen an, indem die Körpertemperatur steigt mit Einfluss auf die  Flüssigkeitsbilanz des Körpers, und die Produktion der Hormone Serotonin und Melatonin neu reguliert wird. Diese vermehrte Regulierung führt u.a. zur bekannten Frühjahrsmüdigkeit, die auch mit Schlafstörungen verbunden werden kann. Dies ist häufig mit ein Grund, warum saisonal abhängige Depressionen vermehrt bei Wetter- und Lichtveränderungen im Frühjahr und Herbst auftreten. Aber auch der Klimawandel werde sich in Zukunft auf unsere Befindlichkeit auswirken, durch den wir eine Zunahme an heißeren Tagen erwarten dürfen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich
Studien zeigen, dass Frauen häufiger als Männer von Wetterfühligkeit betroffen sind, ebenso abhängig vom Alter. Ab dem 70. Lebensjahr steigt die Anfälligkeit. Die individuelle Wetterfühligkeit steht in Abhängigkeit zum Gesundheitszustand und entlarvt deshalb nicht selten gesundheitliche Schwachstellen. Gelegentlich sind die Symptome aber derart heftig, dass wetterfühlige Menschen bis zur zeitweiligen Arbeitsunfähigkeit oder gar bis zur totalen Lebensunlust beeinträchtigt werden. Für einen riesigen Katalog von Beschwerden wird das Wetter verantwortlich gemacht: für Migräneanfälle, Phantomschmerzen, Bluthochdruck, Rheuma und Krämpfe. Sogar die Zahl der Selbstmorde soll bei bestimmten Wetterlagen zunehmen. Das zeigt eine Befragung, die das Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der Universität München in Deutschland mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt hat.

Welche Wetterlage beeinflusst was?
Wolken- und niederschlagsreiche Wetterfronten (Tiefdruckgebiete) können beispielsweise zu Kopfschmerzen und erhöhten Blutdruckwerten führen. Die „Null-Wetterlage“, in der die Luft stagniert und trübe wird, begünstigt Infarkte, Depressionen und allergischen Reaktionen. Warmfronten führen zu Beschwerden bei Kreislauferkrankungen und entzündlichen Prozessen. Kopfschmerzen, reduzierte Blutgerinnung, Schlafstörungen, Krämpfe und niedrige Blutdruckwerte treten vermehrt bei Schönwetter mit Ostwind auf. Migräneanfälle häufen sich bei Zufuhr feuchter Warmluft und bei kaltem Hochdruckwetter.

Was kann man tun?
Eine universelle Heilmethode gibt es nicht. Bewegung im Freien (über die Woche verteilt 3 Stunden) hilft manchen, auch Kneipp-Anwendungen, Saunagängen oder eine Ernährungsumstellung seien hilfreich. (Unter Wetterfühligkeit leiden vor allem Übergewichtige: Versuchen Sie Gewicht zu reduzieren.) Vorsicht Herz-patienten! Fällt die Temperatur sehr schnell, steigt die Gefahr für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Risikopatienten sollten sich am besten in warme, beheizte Räume zurückziehen. Achtung Allergiker. Plötzliches, mildes Wetter begünstigt Pollenflug von Hasel und Erle. Manche empfehlen auch ein Kräuterbad aus Rosmarin, Lavendel und Kamille, da die ätherischen Öle in den Kräutern ihre Wirkung entfalten:  Rosmarin scheint entspannende und positive Wirkung auf die Durchblutung des Gehirns zu haben. Lavendel sagt man ähnlichen Effekt nach und hilft manchen auch gegen rheumatische Beschwerden. Die Kamille befreie von Kopfdruck und wirke Erkältungen entgegen. Einige schwören auf Akupunktur, durch Verzicht auf Nikotin und Koffein lässt sich Migräne vermeiden. Was einem hilft, muss man durch Ausprobieren herausfinden. Wichtig ist, seine Gewohnheiten zu überdenken, um einen anderen Weg einzuschlagen.

In Wien gibt es auch die vom Fonds Soziales Wien geführte Beratungsstelle für Wetterfühligkeit – Telefon: 01/4000 667 30